Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (5, 8b.9)

   

Altar-, Oster-, Opfer- und Adventskerzen

Altar- und Osterkerzen

Schnell werden Altarkerzen unter dem Begriff stimmungsvolles Beiwerk eingeordnet. So einfach ist es jedoch nicht, wenn man nach deren Sinn fragt. Brennende Kerzen erinnern an Christus, der sich selbst als „Licht der Welt“ bezeichnet hat, aber auch an das Gleichnis der wachenden Jungfrauen und Knechte (Matthäus 25, 1-12; Lukas 12, 35; Johannes 8, 12).

Kerzen hatten sich allerdings bereits zuvor schon im Totenkult ausgebreitet. Dem liegt die antike Auffassung vom Leben als einem Licht zugrunde, das bei der Geburt angezündet wird und im Tod wieder erlischt. Dort, wo auf den Gräbern ein Licht aufgestellt wurde, war das ein Hinweis auf den Glauben, dass das Licht des Lebens im Tod nicht ausgelöscht wird. Eine derartige Symbolik des Grablichtes konnten die Christen leicht übernehmen, da sie ihren Glauben an die Auferstehung gut zum Ausdruck bringt. Das in der Taufe überreichte Licht wird mit dem Tod nicht ausgelöscht, sondern leuchtet ewig, als Hinweis auf das dem Christen verheißene ewige Leben.

Schon immer hatten Christen die Nähe zu den Gräbern der Märtyrer gesucht. Oft pilgerten sie zu den wegen ihres Glaubens im Gefängnis sitzenden Christen. Nach ihrem Tod suchte man weiterhin ihre Nähe. Ihre Reliquien wurden in den Altären oder unter ihnen beigesetzt. So wurde jeder Altar zu einem Heiligengrab. Aus dem Brauch des Grablichtes war der Brauch entstanden, die Heiligenreliquien, die bei der Kirchweihe in feierlicher Prozession in die Kirche getragen wurden, um im Altar beigesetzt zu werden, mit Kerzen zu begleiten. Diese Kerzen blieben dann nach der Altarweihe auf dem Altar stehen.

Daher brannten im Mittelalter etwa seit dem 11. Jahrhundert Kerzen Tag und Nacht auf dem Altar, als Zeichen des strahlenden Lebens, das nach dem Tode beginnt; sie sind also in erster Linie die Grablichter der Heiligengräber.

Es ist das Verständnis der Taufe als Erleuchtung, das zur Ritualisierung dieser Erleuchtung in der OsterkerzenOsterkerze geführt hat. So war die Osternacht auch einer der ersten allgemeinen Tauftermine der Christenheit. So gesehen ist die Osterkerze bis heute noch die gemeinsame Taufkerze der Ortskirche, der Gemeinde. Zusätzlich zur Osterkerze wurde auch bald jedem Neugetauften eine eigene Taufkerze gegeben. Der heutige Taufritus der Kirche weist daher auch eigens darauf hin, dass bei jeder Taufe die Osterkerze angezündet wird. Die Osterkerze wird in der Osternacht im Exsultet eigens besungen und stellt ein ganz besonderes Symbol des Auferstandenen dar.

Traditionell wird die neue entzündete Osterkerze in der Osternacht in die dunkle Kirche getragen. Sie trägt ein Kreuz, die aktuelle Jahreszahl sowie die Zeichen für Alpha und Omega. Die beiden Lettern bilden den ersten und den letzten Buchstaben des griechischen Alphabets und symbolisieren damit den Anfang und das Ende sowie auch das Allumfassende. Meist werden an der Osterkerze fünf Wachsnägel angebracht. Dies sind kleine Wachspyramiden, die mithilfe eines herausstehenden Nagels in die Kerze gesteckt werden und so die fünf Wundmale Jesu symbolisieren. Zusätzliche Elemente können sein: Wassertropfen oder Wellen, die das Leben oder die Taufe symbolisieren, während die Sonne meist Christi oder das Himmelreich repräsentieren. Das Motiv der Taube verweist nicht nur auf die Taube, die Noah auf seiner Arche erschien, sondern auch auf den heiligen Geist. Ein auf der Osterkerze gezeigter Baum oder Zweige sollen an die Auferstehung Jesu erinnern. Die Darstellung eines Osterlamms symbolisiert das Lamm Gottes oder auch Jesus selbst. Zu Zeiten des Alten Testaments galt das Lamm als gängiges Opfertier. Weil auch Jesus selbst die Sünden der gesamten Menschheit auf sich nahm, wird das Lamm heute mit dem Erlöser gleichgesetzt. Das sichtbare des sich selbst Verzehrens der Kerze symbolisiert die Liebe Christi bis zu seinem Tod.

Wachs wurde daher zu einer der wichtigsten Opfergaben. Bis heute werden Kerzen auch oft Opferkerzen genannt. Nicht weil das dafür eingeworfene Geld das Opfer ist, sondern weil ursprünglich die Kerzen selbst, besser gesagt das Wachs der keuschen Biene, aus dem sie bereitet wurden, als Opfer gebracht wurde.

Opferkerzen sind sichtbare Zeichen des Gebets. Auch hier symbolisiert das brennende Licht die Herrlichkeit Gottes. Es ist zudem an ihn gerichtet, zeigt die Verehrung, den Dank und die Bitte, die zu ihm aufsteigen. Es ist sowohl in römisch-katholischen, orthodoxen als auch in evangelischen Kirchen in Gebrauch. Die Opferkerze steht auch hier als Opfergabe und gibt dem Gebet über die Zeit der Anwesenheit des Beters für ihn selbst und für andere eine wahrnehmbare Gestalt.

Auch die vier Adventskerzen haben ihre Bedeutung: Die Kerze des ersten Adventssonntages heißt „Kerze des Propheten" oder „Kerze der Hoffnung". Sie erinnert an die Prophezeiungen über den kommenden Messias. Die „Kerze von Bethlehem" oder „Kerze des universellen Aufrufs zur Erlösung" wird am zweiten Adventssonntag entzündet. Sie erinnert uns an die Stadt, in welcher der MEssias geboren wurde. Am dritten Adventssonntag wird die „Kerze des Schäfers" oder „Kerze der Freude" angezündet. Sie erinnert uns an die Hirten, die Jesus als erstes angebetet haben. Die Kerze des vierten Adventssonntages ist die „Kerze der Engel". Sie erinnert uns daran, dass sie die Ersten waren, die die GEburt des Erlösers bekannt gegeben haben.