Wochenspruch
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
2. Korinther 5,17
Die Glocken

„Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango" – Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, Blitze breche ich.

In der Glockenstube in der dritten Etage des Turmes hängen drei Glocken; davon sind die Große und Mittlere aus Bronze und die Kleine ist eine Stahlglocke. Ihre Nutzung ist in der Läuteordnung der Kirchengemeinde festgelegt. Damit besitzt St. Martin das größte und weithörbare Geläut der umliegenden Dörfer. In den 1960er Jahren wurde ein elektrisches Läutwerk installiert, das Mitte der 1990er Jahre ersetzt worden ist.

Reich ist nicht nur unsere liturgische Tradition, bspw. das Angelusläuten, das Läuten der Gebetglocke beim Vaterunser oder das Läuten der Sterbeglocke beim Gang zum Grab. Es gab auch den alten Brauch des Wetterläutens.

Der Brauch stammte aus einer Zeit, als die Gegend noch bäuerlich strukturiert und von tiefer Frömmigkeit geprägt war. Sorgen um eine ausreichende Ernähung bestimmten den Alltag und schwere Unwetter zerstörten Ernten und Hungersnöte folgten. Um solche schädlichen Wetterereignisse fernzuhalten, versuchte man herannahende Gewitterwolken durch das Läuten der Glocken zu zerstreuen. Die Schallwellen der Glocken sollten Blitz, Hagel und Unwetter vertreiben, wie es der oben stehende Spruch bereits andeutet.

Die Pietas
Große Glocke – Pietas Große Glocke – Pietas

Die große Glocke – die Pietas (ital. Frömmigkeit, Mitleid) – mit einem Gewicht von etwa zwei Tonnen und einem Durchmesser an der breitesten Stelle von 1,32 m wurde am 9. Oktober 1853 geweiht. Die erste große Glocke fand bereits 1509 ihren Weg in den Kirchturm. Sie zersprang jedoch am Sonntag, dem 25. Juni 1780 beim Ausläuten der sächsischen Kurfürstin Maria Antonia von Bayern (* 18. Juli 1724 München; † 23. April 1780 Dresden), Tochter des späteren römisch-deutschen Kaisers Karl VII. und der Frau des Kurfürsten Friedrich Christian von Sachsen.

Doch auch die neue große Glocke blieb nicht lange in der Glockenstube: Sie wurde 1840 umgegossen und zersprang schon in der Neujahrsnacht von 1852 zu 1853. Erst die am 9. Oktober 1853 eingeweihte neue große Glocke brachte mehr Freude. Sie blieb während beider Weltkriege unangetastet und hängt bis heute im Glockenstuhl und läutet zu den Gottesdiensten und Festtagen.

Sie trägt die Aufschrift:

EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE
DER VMGVSZ DER DREI GLOCKEN GESCHAH IM JAHRE DES HERRN 1853
VND IM ANFANGE DES VIERZEHNTEN REGIERVNGSJAHRES
FRIEDRICH WILHELM IV KÖNIGS VON PREVSSEN

Klangeindruck – Pietas

Die Concordia
Mittlere Glocke – Concordia Mittlere Glocke – Concordia

Die mittlere Glocke – die Concordia (lat. Eintracht) – ebenfalls aus Bronze aus dem Jahr 1853 mit einem Durchmesser an der breitesten Stelle von 1,02 m wurde im Zweiten Weltkrieg konfisziert. Sie sollte eingeschmolzen und zur Waffenproduktion genutzt werden. Dies geschah glücklicherweise nicht: Man fand sie 1950 auf dem Glockenfriedhof in Hamburg-Veddel und Pfarrer Trautmann sorgte noch im November für ihre Rückkehr nach Zwochau. Leider sind davon noch Schäden am unteren Glockenrand sichtbar.

Sie wird als Sterbeglocke bezeichnet und trägt die Aufschrift:

FRIEDE AUF ERDEN
GOTT SEGNE DIE GEMEINDEN ZWOCHAV, SCHLADITZ, ETTELWITZ, FLEMS V. GRABSCHVETZ

Klangeindruck – Concordia

Die Sinceritas
Kleine Glocke – Sinceritas Kleine Glocke – Sinceritas

Die dritte und kleinste Glocke – die Sinceritas (lat. Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Unverfälschtheit, Reinheit) – ist eine Stahlglocke aus dem Jahr 1956, die aus dem Nachlass einer Zwochauer Familie gegossen worden ist. Ihr Durchmesser an der breitesten Stelle beträgt 0,90 m. Die zuvor in der Glockenstube hängende kleine Bronzeglocke aus dem Jahre 1853 fiel im Ersten Weltkrieg der Waffenschmelze zum Opfer.

Die heutige Glocke läutet gemeinsam mit den beiden Bronzeglocken zu den Gottesdiensten und zu Festtagen. Allein erklingt sie an Werktagen um 12 Uhr und 18 Uhr zum Angelusläuten und sie läutet während des Gottesdienstes zum Gebet des Vaterunsers. Sie wird daher als Gebetsglocke bezeichnet.

Sie trägt die Aufschrift:

UND DEM MENSCHEN EIN WOHLGEFALLEN

Klangeindruck – Sinceritas

Das Plenumgeläut

Beim Plenumgeläut erklingen alle drei Glocken – Pietas, Concordia und Sinceritas – gemeinsam. Es ertönt zu den Hauptgottesdiensten und an den hohen Festtagen des Kirchenjahres.

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