Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (5, 8b.9)

   

Die Liturgie - Die innere Ordnung

Liturgie

Widmen wir uns dem Ablauf oder der inneren Ordnung des liturgischen Handelns; kurz der sog. Liturgie.

Sie ist ein Erbe der vorangehenden Generationen und zugleich lebendige Teilnahme am Gottesdienst, die uns mit unseren Glaubensgeschwistern weltweit, aber auch mit den Glaubensmüttern und -vätern im Lobpreis Gottes vereint – eben über die Grenzen von Raum und Zeit. Sich diesem Weg zu nähern ist lohnenswert. Es bereichert und belebt das geistliche Leben, ordnet und macht es sinnreich.

Und so ist die Liturgie keine Show, die geschauspielert wird. Die Liturgie benötigt keine Events und Überraschungen, sie lebt von der feierlichen Wiederholung. Es ist nicht Aufgabe der Liturgie, für Unterhaltung und Abwechslung zu sorgen, sie soll keine Augenblickserfolge für wechselnde Zielgruppen schaffen, sie soll nicht versuchen, die liturgische Feier mit modischen Mätzchen attraktiver zu machen. Die Liturgie drückt das Geheimnis des Heiligen aus, denn mit der Liturgie feiern wir den Himmel auf Erden. Mit ihr gelingt es, das Immerwährende tiefer zu erfahren. Die wiederkehrende Liturgie ermöglicht die Begegnung mit dem lebendigen Gott. Erst hierdurch wird Liturgie ein gemeinschaftliches Tun der Kirche.

Die gleichbleibende Ordnung schafft die Möglichkeit, dass sich auch Besucher aus anderen Gemeinden im Gottesdienst zurecht finden und zu Hause fühlen. Auch in den verschiedenen liturgischen Formen des „Gottesdienstes" finden sich diese Elemente wieder.

Dabei sind gottesdienstliche Riten authentischer Ausdruck des Glaubens aus lebendiger Tradition, die seit urchristlichen Zeiten organisch gewachsen ist. So wirken Worte, Gesten und Zeichen ineinander und miteinander.

Die „Sprache“ der Liturgie lässt sich vergleichen mit einem Urlaub in einem fremden Land. Man versteht anfangs nichts und bekommt nur einen Eindruck von der Melodie der Sprache. Macht man sich jedoch mit der Sprache vertraut, unterscheidet man schnell einzelne Worte. Richtig gelernt, gebraucht man sie bald mühelos.

Die Elemente der Liturgie

Grundsätzlich ist der (Mess-)Gottesdienst zweiteilig. Er beinhaltet den Wortgottesdienst und die Abendmahlsfeier. Die Gegenwart Christi ist im Evangelium gleichwertig mit der Gegenwart Christi im Abendmahl. So schrieb schon Origenes im 3. Jahrhundert: „Ihr, die ihr gewöhnlich an den göttlichen Geheimnissen teilnehmt, sollt wissen, wie ihr den Leib des Herrn, wenn ihr ihn empfangt, mit aller Vorsicht und Verehrung schützt, damit auch nicht der kleinste Teil von ihm abfalle und nichts von der verwandelten Gabe verlorengehe. ... Doch wenn ihr seinen Leib entsprechend vorsichtig bewahrt, wie könnt ihr meinen, dass es weniger schuldhaft wäre, Gottes Wort zu missachten, als seinen Leib zu missachten?”.

Eröffnung und Anrufung

Die Verkündigung des Wortes Gottes, gibt diesem Teil seinen Namen. In der Regel sind das der Psalm, die alttestamentliche Lesung, die Epistel und das Evangelium.

Psalm, alttestamentliche Lesung und Epistel bereiten wesentlich und selbstverständlich auf das Evangelium vor – Paulus sagt: Glaube kommt vom Hören (Römer 10, 17). Daher sind alle Lesungen wichtig.

Der Einzug ist einmal mehr und einmal weniger feierlich. Dem Einzug ist aber immer der Vorzug zu geben, als dass der Gottesdienst mit einem sitzenden Liturgen beginnt. Zum Einzug erhebt sich die Gemeinde. Der Einzug ist eine Prozession; der Gang zum Altar. Dabei handelt es sich nicht allein um eine äußerliche Annäherung zum Altar, sondern auch eine innere Annäherung des Liturgen und der Gottesdienstgemeinde zum Altar. Die nachfolgende Liturgie führt alle dorthin.

Anknüpfend an die Aussage, dass nicht der Liturg das erste Wort haben soll, sah bereits Luther in seiner Gottesdienstordnung von 1526 das gemeinsam gesungene Eingangslied an dieser Stelle vor. Damit eröffnet die Gemeinde ihren Gottesdienst selbst. Das Evangelische Gottesdienstbuch schiebt es an eine eher isoliert wirkende Stelle nach der Begrüßung.

Begrüßung & Votum: Der liturgische Gruß, das sog. trinitarische Votum („Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.”), macht deutlich: Gott sendet und ruft uns. In seinem Namen sind wir hier. Er ist bei uns. Es stammt aus dem Taufbefehl (Matthäus 28, 19). Damit ist es auch eine Erinnerung an die Taufe. Die Gemeinde antwortet darauf mit: Amen.

Der Vers „Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, // der Himmel und Erde gemacht hat,” stammt aus Psalm 121, 2 und Psalm 124, 8 und verdeutlicht, dass wir als Hilfebedürftige und Hilfesuchende zusammengekommen sind.

Die Grußformel „Der Herr sei mit euch. // Und mit deinem Geist.” (Salutatio) stammt aus dem Alten Testament und gilt als Austausch von Segenswünschen zwischen dem Liturg und der Gemeinde.

Der Psalm und das Gloria patri bilden eine Einheit: Der Psalm - meist als Wechselgebet gesprochen - spiegelt die Grundstimmung des Gottesdienstes wieder. Es sind Gebete und Lieder des alttestamentlichen Volkes und daher unsere Verbindung zum Volk Israel. Die Gemeinde schließt den Psalm mit dem Gloria patri ab: „Ehr‘ sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.” Das Gloria patri steht u.a. für Dank und Anbetung, Kennzeichnung des biblischen Betens, Ehrerweisung Gottes und Freude über seine Gegenwart. Es entfällt von Palmsonntag bis Karsamstag.

Im Sündenbekenntnis geht es nicht um das Eingestehen einzelner Sünden, sondern um das Bekenntnis, dass wir Menschen grundsätzlich hilflos und auf Erbarmung angewiesen sind. Es kann entfallen, wenn die Gnadenzusage ebenfalls entfällt.

Das Kyrie ist Ausdruck des Angewiesenseins auf Gottes Erbarmen und der Suche nach Kontakt mit Gott. Ebenso stellt es die Verbindung der Bitte um Erbarmen mit dem späteren Glaubensbekenntnis dar.

Anschließend verkünden wir die Erhörung unseres Gebets und singen Gott zur Ehre das Gloria in excelsis (kurz: Gloria). Es besteht aus dem Engellobpreis der biblischen Weihnachtsgeschichte (Lukas 2, 14) und einem Loblied (EG 179, 1) als Steigerung. Es wird im Gedenken des weihnachtlichen Jubels eingesetzt. Es entfällt daher vom 2.-4. Advent, von Aschermittwoch bis Karsamstag (außer am Gründonnerstag) und am Buß- und Bettag.

Das Tagesgebet lässt den Charakter des Sonntages anklingen, es verbindet diesen mit dem vorausgegangenen Gebetsteil (Zusammenfassung) und führt zu den folgenden Lesungen. Die Gemeinde antwortet mit: Amen.

Verkündigung und Bekenntnis

Im Verkündigungsteil erfolgen die Bibellesungen. Auch hier setzt sich Wechsel von Anrede und Antwort fort. Zentral im Verkündigungsteil ist das Nachdenken über die Bibeltexte des Sonn-/ Feiertages. Die Lesungen aus dem Alten Testament sowie aus den Episteln enden mit: „Worte der HeiligenSchrift.“, worauf die Gemeinde antwortet: „Gott sei Lob und Dank!“.

Das Wochen-/ Tageslied hat seinen liturgischen Platz im Zusammenhang mit der Schriftlesung. So beteiligt sich die Gemeinde selbst aktiv an der Verkündigung.

Das Halleluja („preiset Gott“) dient als Aufgesang der Begrüßung des Evangeliums. Daher erhebt sich die Gemeinde vor dem Hallelujagesang und bleibt bis zum Ende der Evangelienlesung stehen. Dies gilt als Ehrerbietung. Es entfällt vom Sonntag Septuagesimäe (Vorpassion) bis Karsamstag und am Buß- und Bettag.

Der gesungene Vers „Ehr‘ sei dir, o Herre.” ist die Begrüßung Jesu, der im Evangelium selbst zu uns spricht. Die Lesung des Evangeliums findet dabei auf der Nordseite des Kirchenraumes statt; daher steht auch das Lesepult dort. An Orten, wo die Kirche nach Osten ausgerichtet ist, weist die linke Seite nach Norden. Im Norden scheint niemals die Sonne, damit gilt er als Symbol der Finsternis. Das im Norden verkündete Evangelium ist ein Licht, das in die Finsternis hinein leuchtet (Johannes 1, 5). Diese Lesung schließt mit der Versikel: „Evangelium unseres Herrn, Jesus Christus.“. Nach der Versikel gilt der gesungene Vers „Lob sei dir, o Christe.” als Lobpreisung und Antwort auf die Lesung.

Das Glaubensbekenntnis ist kein Gebet, sondern – wie der Name schon sagt – ein Bekenntnis, eine Vergewisserung oder eine Bekräftigung. Es ist das Bekenntnis unserer Mütter und Väter im Glauben und wird als Lob und Antwort der Gemeinde auf die zuvor gehörten Bibelstellen verstanden: ja, diese Botschaft stärkt meinen Glauben.

Infolge der Reformation war es üblich, dass die Predigt von Liedern eingerahmt wurde. Das Lobpreislied soll als Bitte um rechtes Hören verstanden werden. Vor der Predigt ist es üblich, dass die Gemeinde von der Kanzel gegrüßt wird (sog. Kanzelgruß); bspw. „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.“ (2. Korinther 13, 13). Zur Gestaltung des Gottesdienstes sollte auch tatsächlich auf die Kanzel gegangen werden, sodass für verschiedene Handlungen auch verschiedene Orte genutzt werden, die ihre theologische und liturgische Bedeutung auch optisch verdeutlichen.

Predigten sind aus dem Alten Testament (Propheten) ebenso bekannt wie aus dem Neuen Testament (Johannes der Täufer, Jesus, Petrus). Sie sind von Beginn an Bestandteil christlicher Gottesdienste. Am Ende der Predigt folgt der Kanzelsegen. Es wird zumeist zugesprochen: „Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle vernunft, bewahre euche Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.” (Philipper 4, 7). Die Gemeinde antwortet: Amen.

Es folgen das Predigtlied und die Fürbitten. Für die Fürbitten erhebt sich die Gemeinde. Darin werden dem Herrn die Not der Erde und Dank für die Welt vorgetragen. Das Fürbittengebet ist ein Verweis auf abwesende Menschen, ein Gedenken (1. Timotheus 2, 1) und stellt den Weltbezug der Predigt her. Damit ist auch der Gottesdienst ein Weg der Veränderung von der Klage zum Lob, zur Vergebung und zum Trost, zur Freude und zur Hoffnung. Die Fürbitten werden mit dem Vaterunser beendet, wenn kein Abendmahl folgt.

An dieser Stelle schließt sich die Abendmahlsfeier an. Danach erfolgen die Abkündigungen aus der Gemeinde. Dabei handelt es sich um Mitteilungen über Geschehenes oder Anstehendes.

Nach dem Ausgangslied folgen die Sendung und der Segen: Das abrupt wirkende Ende mag verwundern. Doch die Sendung „Gehet hin im Frieden des Herrn!“ stellt weniger eine Entlassung als vielmehr eine Beauftragung dar; eine Entsendung in den Gottesdienst in der Welt. Auf den Segen des Liturgen antwortet die Gemeinde mit dem gesungenen dreifachen Amen.

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