Es soll nicht durch Heer oder Kaft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth. (Sacharja 4,6b)

   

Osternacht

 

Osternacht

Auferstandener Christus

 

Die beiden großen Feste unserer Kirche, das Weihnachts- und das Osterfest, beginnen im Dunkel der Nacht, denn das ist Gottes große Zeit: In der Mitte der Nacht wurde Gottes Sohn geboren, uns Menschen gleich (Buch der Weisheit 18, 14; Lukas 2, 8). Im Dunkel der Nacht erstand er vom Tod, der frühe Morgen sah nur noch Christi leeres Grab (Matthäus 28, 1; Markus 16, 2; Johannes 20, 1).

In einer einzigen nächtlichen Feier wurde daher das Osterfest ursprünglich begangen. Sie ist bis heute die „Nacht der Nächte“; auch wenn die Christnacht ihr den Rang abgelaufen hat. In der Osternacht hat die Feier der Drei Österlichen Tage ihren Höhepunkt und mit ihnen auch das ganze liturgische Jahr. Und so beginnt Ostern mit der Osternacht. Einige von Ihnen haben bestimmt schon das ein oder andere Mal in der Kirche St. Martin daran teilgenommen.

Am ersten Tag der Woche, frühmorgens, als es noch dunkel war, kam Maria Magdalena zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggerollt war. Aus der Dunkelheit des Todes ist Christus zum Leben erstanden, in der Dunkelheit der Nacht brach ein neuer, ewiger Morgen an. Des­halb haben auch wir uns im Dunkel dieser Nacht versammelt, um mit unzähligen Christen auf der ganzen Welt zu wachen und zu beten, zu singen und die Auferstehung unseres Herrn zu feiern.

Denn die Osternacht ist nach ältester Überlieferung eine Nacht der Wache für den Herrn (2. Mose 12, 42), wenn auch nicht mehr die ganze Nacht hindurch. Das traditionelle Osterfeuer stellt den Sieg des Lichtes über die Finsternis dar, sowohl in der Auferstehung Jesu als auch in der gnadenhaften Auferstehung unserer eigenen Seele. So wird nun am Osterfeuer die Osterkerze entzündet. Der lichtdurchflutete Wachsleib der Kerze als Symbol für den auferstandenen Herrn wird nun in Innere der Kirche getragen. An drei Stationen auf dem Weg zum Altar verkündet der Träger als Osterherold in dreifacher Steigerung das Lumen Christi (lat. Licht Christi); immer höher, immer lauter und immer klarer. Ist die Osterkerze an ihrem Platz angekommen, erklingt der österliche Lobgesang – das Exsultet –, einer der bedeutendsten Gesänge der Liturgie. Es besingt das Geheimnis dieser hochheiligen Nacht. Im Anschluss wird das Osterlicht an die Gemeinde – in die Welt – verteilt.

Aus einem kleinen Funken ist ein großes, loderndes Feuer geworden. Das Licht der Osterkerze, das wir von diesem Feuer nehmen, wird sich in der Runde verteilen und die Nacht erleuchten. So möge auch unser Glaube an die Auferstehung des Herrn sich unter den Menschen verbreiten, damit sie es selbst erfahren: Christus lebt.